Babyboom im Vogelpark – aber auch traurige Storchenverluste
Mittwoch, den 08. Juni 2011 um 07:30 Uhr
Der Frühsommer ist im Tierreich in unseren Breiten die Zeit der Jungtiere. So ist es auch in Herborns familienfreundlichem Vogel- und Naturschutztierpark. Es wuselt und wimmelt an allen Ecken. In den letzten Tagen erblickten nach den fünf jungen Zwergziegen des vorangegangenen Wochenendes (wir berichteten) unter anderem 12 Degus (südamerikanische Nagetiere), je ein halbes Dutzend Kolbenenten und Teichhühner, zumindest ein kleiner Gelbbrustara, eine Nikobarentaube und zwei Satyrtragopane das Licht der Welt. Und auch die heimischen Bergmolche haben sich erstmals in einem Aquarium im Wintergarten des Eingangsgebäudes fortgepflanzt.
Allerdings muss Vogelparkleiter Wolfgang Rades auch eine traurige Nachricht verkünden. Denn von fünf jungen Weißstörchen hat in diesem Jahr leider nicht einer überlebt. Rades: „Wenige Tage, nachdem ein eingedrungener Beutegreifer in einem Bodennest drei Jungstörche getötet und auch zwei Eier gefressen hat, hat unser Freifliegerpaar „Adebar“ und „Gabriele“ seine beiden Jungen aus dem Nest geworfen.“ Die Ursache des ersten Verlustes ist letztlich ein menschengemachtes Problem, denn das Raubtier – vermutlich ein Fuchs – hatte trotz der ständigen Außenzaunkontrollen des Vogelparkteams eine Stelle ausfindig gemacht, wo der Zaun nur wenige Zentimeter tief in den Boden eingegraben war, und hatte sich dort Eingang verschafft .- Rades: „Dies ist offensichtlich eine Bausünde der Vergangenheit, die der schlaue Beutegreifer schonungslos aufgedeckt hat.“
Noch schwerwiegender ist jedoch der Verlust der Storchenjungen des Freifliegerpaares. Denn vor kurzem starb überraschend auch der, wie der Sektionsbefund ergab, an einer Luftsackaspergillose schwer erkrankte Storchenvater „Adebar“, der wahrscheinlich aufgrund seiner Erkrankung seine gesunden Jungen aus dem Nest geworfen hatte. Die Sorge des Vogelparkteams gilt jetzt auch dem Freifliegerweibchen „Gabriele“, die hoffentlich trotz des Verlustes ihrer Familie in Uckersdorf bleibt.
Konsequenzen hat der Storchenverlust jetzt auch für den Veranstaltungskalender des Vogelparks. Denn der für den 19. Juni vorgesehene Storchentag, an dem traditionell die Jungstörche beringt werden, muss leider in diesem Jahr ausfallen. Froher Hoffnung ist das Vogelparkteam hingegen bei den Bartkäuzen und Schneeeulen, deren Weibchen jeweils ein Gelege aus drei bzw. fünf Eiern bebrüten. Und ein kleiner Lachender Hans dürfte schon bald seine Bruthöhle verlassen.
Auch die farbenprächtigen Roten Ibisse aus den Mangrovenwäldern Südamerikas sind intensiv mit dem Brutgeschäft beschäftigt. In der begehbaren Freiflugvoliere des Vogelparks ist das Brutgeschehen bei den Roten Ibissen besonders gut zu beobachten.
(c) Foto: Vogelpark Herborn
Pflanzenkundliche Wanderung und Vorstellung einer „Jugend forscht“-Arbeit über Lisztaffen
Dienstag, den 31. Mai 2011 um 08:03 Uhr
Am Samstag, den 4. Juni, lädt das Team des Vogel- und Naturschutztierparks Herborn zum „Geotag der Artenvielfalt“ ein. In diesem Jahr beteiligt sich der Vogelpark mit einem pflanzenkundlichen und mit einem zoologischen Angebot an diesem bundesweiten Naturschutztag: Von 13.00 bis 16.00 Uhr wird der ehemalige Schüler des Herborner Johanneum-Gymnasiums, Florian Schäfer aus Greifenstein, die Lisztäffchen „Morkward“ und „Luna“ als besonders possierliche Botschafter für den Schutz der Artenvielfalt in den tropischen Regenwäldern näher vorstellen.
Florian Schäfer hatte vor zwei Jahren im Rahmen einer „Jugend forscht“– Arbeit mit dem Titel „Äffchen mit Köpfchen“ die geistigen und motorischen Fähigkeiten der Lisztäffchen im Vogelpark Herborn untersucht und mit seiner Ausarbeitung den 1. Rang im Regionalwettbewerb und einen beachtlichen 4. Rang im Landeswettbewerb belegt. Derzeit absolviert er ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei der Hessischen Gesellschaft für Ökologie und Naturschutz HGON und befasst sich zudem intensiv mit den Primaten als unseren nächsten Verwandten.
Am Samstag gibt Florian Schäfer interessierten Vogelparkbesuchern einen Einblick in die Ergebnisse seiner Arbeit und den Versuchsaufbau. Natürlich gibt er auch gerne Auskunft über Affen und ihre Biologie, nicht zuletzt über die niedlichen, nur eichhörnchengroßen Lisztaffen mit der ausgeprägten „Künstlerfrisur“. Sie sind, wie viele andere Arten, in ihrer Heimat Kolumbien wegen der Zerstörung des Tropenwaldes stark von der Ausrottung bedroht.
Ab 16.00 Uhr informiert dann bei einem Rundgang durch den Vogelpark der Pflanzenkundler Werner Becker aus Medenbach über die Vielfalt der Pflanzen, die in der naturnahen Anlage derzeit wachsen.
Und natürlich wird beim „Geotag der Artenvielfalt“ im Vogelpark Herborn nicht nur der Wissensdurst der Naturfreunde gestillt: Für besondere Kurzweil sorgen dürften mit den fünf erst wenige Tage alten Zwergziegen auch ganz andere, künftige „Kräuterspezialisten“.
(c) Foto: Vogelpark Herborn
Der Vogelpark Herborn lädt am Sonntag zum Naturerlebnistag „Keine Bange vor der Schlange“ ein
Montag, den 23. Mai 2011 um 09:40 Uhr
Am Sonntag, den 29. Mai, lädt der Vogelpark Herborn im Rahmen der fünften Aktionswoche „Biologische Vielfalt erleben“ der BioFrankfurt (www.biofrankfurt.de) zum diesjährigen Aktionstag „Keine Bange vor der Schlange“ ein.
Das Vogelparkteam entführt kleine und große Naturfreunde von 11.00 bis 17.00 Uhr in die faszinierende Welt der Kriechtiere und Lurche. Die Besucher dieses beliebten Naturerlebnistages erhalten dabei die Möglichkeit zur unmittelbaren Kontaktaufnahme zu verschiedenen einheimischen und exotischen Kriechtieren und Lurchen. Das Artenspektrum reicht von „Lurchi“, dem Feuersalamander über Griechische Landschildkröten, australische Bartagamen und amerikanische Königsnattern bis hin zu afrikanischen Königspythonschlangen. Als Ehrengast wird zudem der pensionierte Polizist Sepp Prosch aus Eiershausen mit seiner stattlichen langen Kaiserboa „Walter“ erwartet.
Vogelparkleiter Wolfgang Rades betont die Motivation des Vogelparks als Naturerlebniszentrum im Sinne der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie die Bevölkerung auch mit diesen Geschöpfen vertraut zu machen. Dabei unterstreicht der Herborner Tiergartenbiologe, dass auch die zumeist zu Unrecht verrufenen Reptilien wie auch die Amphibien eine wichtige Rolle im Netzwerk der Natur spielen. Rades: „Durch die tierverträglich dosierten „Streicheleinheiten“ für die zahmen Reptilien möchten wir erreichen, dass sich künftig mehr Menschen für diese faszinierenden und hochbedrohten wechselwarmen Tiere interessieren und sich für ihren Schutz einsetzen.“
Deswegen möchte das Vogelparkteam auch mit Unterstützung weiterer Partner wie der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) und der Zoofachbetriebe aqua natura, Leun, und Samen Schneider, Dillenburg, auch das interessante Hobby der Terrarienkunde fördern. Denn bekanntlich ist der Mensch nur bereit, sich für den Schutz der Tiere einzusetzen, die er näher kennen und möglichst auch lieben gelernt hat.
Natürlich ist die Pflege dieser Tiere in Privathand nur verantwortbar, wenn sie aus legalen Nachzuchten stammen und mit der unabdingbaren Sachkunde tiergerecht untergebracht und gepflegt werden.
Dafür gibt der Herborner Diplom-Biologe, der für den Deutschen Naturschutzring auch Mitglied in der Sachverständigengruppe zur Festlegung von Mindesthaltungsanforderungen für Reptilien beim Bundeslandwirtschaftsministerium war, wertvolle Tipps.
Ein besonderes Anliegen des Vogelparks als Partner des NABU, der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und weiterer Naturschutzverbände ist es natürlich, die Bevölkerung für den Schutz der einheimischen Kriechtiere und Lurche und ihrer Lebensräume zu sensibilisieren.
Rades: „Leider wird in Deutschland täglich immer noch eine Fläche von mehr als 100 Fußballfeldern verbaut. Darunter sind wertvolle Lebensräume auch von Reptilien und Amphibien wie Tümpel und Weiher, Wiesen, Trockenmauern und Feldraine. Zudem werden immer noch völlig harmlose Ringelnattern und Blindschleichen von unwissenden und vorurteilsbelasteten Bürgern totgeschlagen!“
Aus diesem Grund pflegt der Vogelpark seit geraumer Zeit in einem Freilandterrarium mit der weit verbreiteten Ringelnatter sowie der seltenen, der am Unterlauf der Lahn noch vorkommenden Würfelnatter, auch Schlangen, die in unserer Region heimisch sind.
Neben lebenden Tieren sind am Sonntag im Vogelpark Herborn auch verschiedene Präparate zu sehen, die das Johanneum-Gymnasium Herborn und das Bundesamt für Naturschutz in Bonn zurVerfügung gestellt haben, und mit deren Hilfe auch die mit dem illegalen Handel bedrohter Tiere und ihrer Produkte zusammenhängenden Artenschutzprobleme aufgezeigt werden sollen.
Aktionswoche „Biologische Vielfalt erleben“
Vom 19. bis 29. Mai 2011 ist es wieder soweit: Zum fünften Mal findet bereits die beliebte Aktionswoche „Biologische Vielfalt erleben“ statt, bei der Familien und Kinder bei über 70 Veranstaltungen von 31 aktiven Naturerlebnis-, Forschungs-, Bildungs-, Kultur- und Naturschutzeinrichtungen die biologische Vielfalt im Frankfurter Stadtgebiet und der Region erkunden können.
Die Vereinten Nationen haben das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 zur „Dekade der Biodiversität“ erklärt. Sie verweisen damit nicht nur auf die große Bedeutung der biologischen Vielfalt in ökologischer, sondern auch in sozialer, okönomischer und kultureller Hinsicht. Die Veranstaltungen während der Aktionswoche stellen einen geeigneten Anlass dar, sich die Verantwortung für die Erhaltung dieses Naturreichtums einmal mehr ins Bewusstsein zu rufen.
Die Veranstaltungen im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche laden dazu ein, die „Bäume des Jahres“ kennen zu lernen, Fledermäuse hautnah zu erleben und bei einer Wanderung oder einer geführten Fahrradtour der Frage nachzugehen, wie viel „Wildnis“ eigentlich im Rhein-Main-Gebiet steckt.
Koordiniert werden die Aktivitäten der Aktionswoche von BioFrankfurt, dem Netzwerk für Biodiversität. Ihre Durchführung erfolgt mit freundlicher Unterstützung der KfW Bankengruppe. Weitere Informationen zur Aktionswoche, das vollständige Programm inkl. interaktiver Karte siehe: www.biofrankfurt.de/aktionswoche
(c) Foto: Vogelpark Herborn
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