Bundesweiter Aktionstag gegen Palmöl am 16. April
Dienstag, den 13. April 2010 um 12:50 Uhr
Auf Borneo spielt sich – weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit – ein Drama ab:
Immer mehr verhungernde Orang-Utans, nahe Verwandte des Menschen - irren durch riesige Plantagen, wo Ihnen früher der Tropenwald eine Heimat bot. Kilometer um Kilometer weicht der Regenwald, neben den Korallenriffen das wichtigste Ökosystem der Erde, neuen Palmölplantagen – angeblich auch im Interesse des Klimaschutzes!
Wo früher Affen, Nashornvögel und abertausend anderer Tier- und Pflanzenarten lebten, liegt ein Land im Chaos. Angerichtet wird dieses Chaos von uns in den Industriestaaten!
Zumeist unwissend kaufen wir Kerzen, die aus Palmöl hergestellt werden, wie auch Waschpulver, Tütensuppen, Margarine, Eiscreme oder Schokolade. In etwa zehn Prozent unserer Produkte ist Palmöl enthalten, das sich so wunderbar leicht und billig erzeugen lässt – auf Kosten von Mensch und Natur!
Hinzu kommt, dass Palmöl im Zuge der eigentlich sinnvollen Förderung erneuerbarer Energien zunehmend auch als Brennstoff Verwendung findet. Denn Palmöl ist billiger als alle anderen Öle.
Folglich roden immer mehr Tropenländer, allen voran Indonesien als größter Palmölexporteur der Welt, ihre Urwälder um Platz zu schaffen für immer mehr Palmölplantagen.
Als Partner der staatlichen und privaten Naturschutzeinrichtungen ist es dem Team des Vogelpark Herborn ein großes Anliegen, seine Besucher über derartige Zusammenhänge zu informieren. Damit unterstützt Herborns Vogelpark auch die von Deutschland völkerrechtlich verbindlich unterzeichnete AGENDA 21 (die unter dem Motto „global denken, lokal handeln“ den Zoologischen Gärten eine besondere Bedeutung im Bereich der Umweltbildung zuschreibt) ebenso wie das internationale Abkommen über den Schutz der Biologischen Vielfalt.
Der Herborner Biologe Wolfgang Rades hebt die enorme Bedeutung der Tropenwälder für den Naturschutz als Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen hervor. „Mehr als die Hälfte der Tier- und Pflanzenarten unserer Erde leben in den Tropenwäldern“; betont der Vogelparkleiter.
Rades: „Zudem speichern die Bäume der Tropenwälder etwa 50 % mehr Kohlenstoff als die Bäume der gemäßigten Zonen!“
Wie unsinnig Bestrebungen sind, durch den Anbau von Ölpalmen zur Erzeugung von Biosprit dem Klimawandel zu begegnen, zeigen nach einer Mitteilung der Gesellschaft für Tropenökologie Studien, nach denen es mindestens 75 bis 93 Jahre dauert, bis die Kohlendioxid-Einsparungen durch Biokraftstoffe den Verlust durch die Rodung der Wälder ausgleichen. Wandelt man gar Sumpfwälder in Ölpalmplantagen um, wie das aktuell auf Borneo geschieht, so wird der Kohlenstoffhaushalt gar erst nach 600 Jahren ausgeglichen.
Erst kürzlich hat diese Zusammenhänge der Präsident der Gesellschaft für Tropenökologie, der Frankfurter Zoodirektor Professor Manfred Niekisch, dem zuständigen EU-Kommissar Günther Oettinger mitgeteilt. Die derzeitigen Bestrebungen der EU, für den Klimaschutz die Monokulturen der Palmöl-Plantagen mit Urwäldern gleichzusetzen, sind somit weder für den Klima- und schon gar nicht für den Naturschutz positiv.
Im internationalen Jahr der Artenvielfalt 2010 bietet Vogelparkleiter Wolfgang Rades am Aktionstag gegen Palmöl am Freitag, dem 16. April um 11.30 und 15.00 Uhr ebenso wie am Sonntag, den
18. April um 15.00 Uhr je eine Sonderführung zu den aus Tropenwäldern stammenden tierischen Bewohnern des Vogelparks, vom Arapapagei über das Lisztäffchen und die Königspythonschlange bis zur Vogelspinne an, und informiert dabei ebenso wie einige Informationstafeln im Vogelpark über diese Zusammenhänge. Vogelparkbesucher können zudem im Vogelpark Herborn ab dem 16. April mit ihrer Unterschrift ein Protestschreiben des Vereins Rettet den Regenwald e.V. an die Bundesregierung gegen die Zerstörung der Regenwälder unterstützen.
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