Neuigkeiten

Storchentag im Vogelpark Uckersdorf

StorchennestDer Storchentag im Vogelpark Uckersdorf ist einer der Höhepunkte im Jahreslauf dieser Herborner Vorzeige-Einrichtung, die sich in den vergangenen Jahren zum Naturerlebniszentrum, gemausert hat. Am Sonntag ist es wieder so weit: Die jungen Weißstörche bekommen vor den Augen und Kameras der Besucher ihre Ringe angelegt. Noch weiß noch nicht einmal Parkleiter Wolfgang Rades, wieviele Jungvögel in diesem Jahr geschlüpft sind – noch hat sich niemand nahe genug an die Nester der geflügelten Glücksboten – von denen sich eins in schwindelerregender Höhe auf einer Plattform befindet – herangewagt, um sie nicht beim Brutgeschäft zu stören.

Nur das Bodennest ist von der Besucherplattform am Storchenteich gut einsehbar. Und so wissen die Vogelpark-Mitarbeiter schon, dass es mindestens fünf nur wenige Wochen alte Vögel sind, die am Sonntag aus ihren Nestern geholt werden, um vom Beauftragten der Vogelwarte Helgoland Richard Mohr aus Oberursel ihre Ringe angelegt bekommen. Mit diesem Erkennungszeichen der Vogelwarte erhalten die Tiere sozusagen ihren „Personalausweis“, durch den sie überall auf ihrer Reise in die Überwinterungsgebiete in Spanien oder gar Westafrika zu identifizieren sind. Schon in etwa zwei Monaten werden sie aufbrechen – auch wenn das für die unbeholfenen Jungstörche momentan noch in weiter Ferne zu liegen scheint. Die Beringung der Vögel durch den Storchenexperten ist für 11.30 Uhr und 13.30 Uhr vorgesehen.

Natürlich informieren Richard Mohr und Parkleiter Wolfgang Rades auch über das Storchenprojekt des Vogelparks und über die Bestandsentwicklung der frei lebenden Weißstörche. Denn in ganz Deutschland leben laut NABU-Zählung nur noch rund 4200 Storchenpaare: Verantwortlich dafür ist vor allem das Schwinden der Lebensräume wie naturbelassener Flüsse und Feuchtwiesen, die die Weißstörche zur Nahrungssuche brauchen. „Fast weg“ sind außer den schönen Vögeln auch andere Wildtiere, die der Naturschutzbund NABU derzeit bundesweit in den Mittelpunkt einer Kampagne gegen das Artensterben stellt. „Mehr Platz für Wildnis und Wildtiere“ fordern die Naturschützer und stellen dabei als Beispiel Laubfrosch, Kabeljau, Wolf und eben den Weißstorch in den Mittelpunkt: Das Artensterben findet nicht nur im Regenwald und in den Meeren statt, machen sie bewusst: „Wenn wir jetzt nicht handeln und schnell gegensteuern, dann sind diese Tiere nicht nur fast, sondern bald ganz weg“, hat NABU-Präsident Olaf Tschimpke dazu erklärt.

Auch der Vogelpark Herborn als Partner der Naturschutzverbände unterstützt diese Aktion, zumal gleich zwei der vier Hauptdarsteller der NABU-Kampagne im Herborner Stadtteil Uckersdorf eine besondere Rolle spielen: Erst am Sonntag haben die Kinder und Jugendlichen der „Vogelpark-Entdecker“ in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Universität Gießen eine Amphibienausstellung eingerichtet: In den Vivarien sind Molche, heimische Grasfrösche und Gelbbauch-Unken sowie der 30 Jahre alte Feuersalamander „Lurchi“ zu bewundern. Eine besondere Rarität stellen die Axolotl dar: Die archaisch wirkenden Schwanzlurche sind in ihrer mexikanischen Heimat so gut wie ausgestorben.

Über das Thema Artenschutz will Wolfgang Rades um 14.30 Uhr mit einer etwa eineinhalbstündigen Sonderführung durch den Vogelpark informieren, bei dem unter anderem über die Zusammenhänge von Storchen-, Amphibien- und Feuchtgebietsschutz sowie den nach Hessen eingewanderten Luchs gesprochen wird. Übrigens ist der Vogelpark am Dienstag (16. Juni) in der Reihe „Herrliches Hessen“ des Hessenfernsehens (20.15 Uhr) zu sehen. Das Kamerateam hat zudem die jüngst eröffnete Breitscheider Tropfsteinhöhle „Herbstlabyrinth“ besucht.

Der Vogelpark Herborn ist täglich von 9.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro für Erwachsene, zwei Euro für Kinder, ermäßigt vier Euro und zwölf Euro für Familien. Hunde dürfen an der Leine mit in den Park. Weitere Auskünfte gibt es telefonisch unter 02772/42522 oder unter www.vogelpark-herborn.de. (klk)